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Gibt es sinnlose philosophische Fragen?



Man stößt in der Philosophie immer wieder auf problematische Fragestellungen, so z. B. auf die Frage: "Warum ist überhaupt etwas und warum ist nicht nichts?"

Ich vermute, dass diese - und noch eine Reihe anderer - Fragen sinnlos sind. Dabei verstehe ich unter einer "sinnlosen Frage" eine Frage, bei der die Suche nach einer Antwort aus den verschiedensten Gründen nicht lohnt.

Von den sinnlosen Fragen zu unterscheiden sind zum einen die "fehlerhaften Fragen". Darunter verstehe ich Fragen, die etwas Falsches oder Widersprüchliches unterstellen. Ein Beispiel hierfür wäre die Frage: "Wann wurde das Brandenburger Tor in Berlin abgerissen?", wenn es niemals abgerissen wurde.

Außerdem kann man Fragen noch danach bewerten, ob sie - bezogen auf eine bestimmte übergeordnete Fragestellung - geeignet oder ungeeignet sind. Hier kommt es auch auf die richtige Reihenfolge an, in der die Fragen gestellt werden.


Zur Frage: "Warum ist überhaupt etwas und warum ist nicht nichts?"

Betrachten wir ein Beispiel. Die Frage: "Warum ist überhaupt etwas und warum ist nicht nichts?" (oder: Warum gibt es überhaupt die Welt?") wird von manchen als sehr wichtig und grundlegend für die Metaphysik und die Seinslehre bezeichnet.

Meiner Ansicht nach hat diese Frage jedoch weniger Respekt verdient. Sehen wir sie uns etwas genauer an.

Es handelt sich um eine Warum-Frage. Mit dem Wort "warum?"  fragt man gewöhnlich nach der Ursache, d. h. nach der  kausalen Erklärung eines bestimmten Phänomens, wie z. B. dem Reißen eines Stahlseils. Man fragt: "Warum ist das Stahlseil gerissen?" und man bekommt z. B. die Antwort: "Das Stahlseil ist gerissen, weil es durchgerostet war."

Mit dem Wort "warum?" kann man auch nach Motiven fragen ("Warum hast Du ihn geschlagen?") und manchmal auch nach Begründungen für ein bestimmtes Handeln ("Warum soll ich bei 'Rot' nicht über die Straße gehen?")  Dies ist hier jedoch offensichtlich nicht gemeint.

Mit der Frage: "Warum ist überhaupt etwas und nicht nichts?" wird also nach der Ursache alles Seienden gefragt im Sinne von: "Was ist die Ursache für die Existenz der Welt?"

Warum ist eine derartige Frage nun unzulässig?

Das Ursache-Wirkung-Schema beruht auf einer Verallgemeinerung beobachteter Regelmäßigkeiten. Wenn z. B. Stahl verrostet, dann wandelt sich das darin enthaltene Eisen in Eisenoxyd um. Dieser Stoff hat andere Eigenschaften als das ursprüngliche Eisen. Eisenoxyd ist u.a. nicht so zugfest wie Eisen. Man kann dann folgende (immer hypothetisch bleibende) Gesetzmäßigkeit formulieren: Wenn ein Stahlseil durchgerostet ist, hat es nur eine geringe Zugfestigkeit.

Das Ursache-Wirkung-Schema setzt also zwei getrennte Phänomene voraus, wovon das eine als "Ursache" und das andere als "Wirkung" bezeichnet wird.

Wenn man nun versucht, dies Schema auf die Gesamtheit alles Seienden anwendet, so ergibt sich ein Problem: Wenn die Gesamtheit alles Seienden als Wirkung betrachtet wird, zu der eine - davon zu unterscheidende - Ursache gesucht wird, so ist dies nicht ohne logischen Widerspruch möglich. Denn neben der Gesamtheit alles Seienden kann logischer Weise nichts anderes da sein , sonst wäre es ja nicht die Gesamtheit alles Seienden.

Die Anwendung der Warum-Frage auf die Existenz des Weltalls stellt also eine unzulässige Übertragung von Konzepten eines bestimmten Bereichs auf einen anders gearteten Bereich dar.


Nun könnte jemand dagegen einwenden, dass es neben der Gesamtheit alles Seienden doch eine übersinnliche, transzendente [aus dem Lateinischen: "die Erfahrung übersteigend"] Ursache geben könne. Dabei wird davon ausgegangen, dass etwas Transzendentes nicht in der üblichen Weise da ist wie die Dinge der erfahrbaren Welt, sondern in einer unsere Erfahrung überschreitenden Weise.

Damit wird die Frage aufgeworfen, ob es jenseits dessen, was wir mit unseren Sinnesorganen wahrnehmen können und durch logisches Denken erschließen können, noch etwas weiteres gibt.

Wenn ein transzendenter bzw. übersinnlicher Bereich als existent angenommen wird, gibt es logisch nur zwei Möglichkeiten: Entweder von diesem Bereich gehen keinerlei Wirkungen auf die erfahrbare Welt aus (dann braucht uns das Ganze nicht zu interessieren) oder aber es gehen von diesem Bereich Wirkungen auf die erfahrbare Welt aus (dann ist dieser Bereich prinzipiell der menschlichen Erkenntnis zugänglich, da man aus den Wirkungen, die das Übersinnliche ausübt, auf die Beschaffenheit dieses Bereichs schließen kann).

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Zu den Fragen: "Was ist das Nichts?" und "Gibt es ein Nichts?"

Die Frage "Was ist das Nichts?" ist in ihrer Bedeutung nicht klar. Man kann sie einmal verstehen als Frage nach der Bedeutung des Ausdrucks "(das) Nichts". Dann fragt man so wie bei der Frage: "Was ist ein 'Junggeselle'?" worauf die Antwort lautet: "Ein 'Junggeselle' ist ein unverheirateter Mann."

Die Frage könnte jedoch auch so verstanden werden, dass man bereits weiß, was das "Nichts" ist, und nun wissen will, was das Wesen dieses Nichts ist. So wie man etwa fragt: "Was ist ein Tier?" worauf man als Antwort alles das nennen kann, was man über Tiere weiß. (Um beide Arten von Fragen nicht zu verwechseln setzt man den Ausdruck in Anführungsstriche, wenn es um den Ausdruck geht und nicht um das, was der Ausdruck bezeichnet.) 

Ich verstehe die Frage: "Was ist 'das Nichts'?" im Folgenden als Frage nach der Bedeutung des Ausdrucks "das Nichts". Was könnte mit "das Nichts" gemeint sein?

Es handelt sich offenbar bei "das Nichts" um den Namen für etwas Einmaliges, so wie "das Rote Meer", das es nur einmal gibt. 

Was könnte das sein? 

Kleingeschrieben taucht das Wort "nichts" in Sätzen auf wie: "Ich habe nichts gefunden". Hier wird das Wort "nichts" als Gegensatz zu dem Wort "etwas" benutzt. Man fragt: "Hast Du etwas gefunden?" - "Nein, ich habe nichts gefunden." Das klein geschriebene Wort "nichts" dabei grammatisch kein Substantiv.

Was kann der Ausdruck also bedeuten? Ich will mal einen Deutungsversuch unternehmen.

Mit dem Satz: "(Irgend)etwas ist da" behauptet man das Dasein von irgendetwas, gleichgültig welcher Art. Es ist gewissermaßen die allgemeinste Existenzbehauptung.  In dem Satz "Etwas ist da" ist das Wort "etwas" das Subjekt des Satzes, über das etwas ausgesagt wird (dass es da ist). 

Die Verneinung dieses Satzes lautet: "Nichts ist da".

Manche Philosophen haben daraus nun Substantive gebildet: "etwas, das da ist" haben sie "das Daseiende" bzw. "das Sein" genannt.  Entsprechend wurde - ausgehend von dem Satz "Nichts ist da" - das Substantiv "das Nichts" gebildet. Es bezeichnet "das Fehlen oder Nicht-Dasein von Seiendem".

Das Substantiv "das Nichts" ist nun - auf der metasprachlichen Ebene (das ist die Ebene, auf der nicht über die Wirklichkeit gesprochen wird sondern über die Sprache) - ein "Etwas". 

Wenn man jetzt die metasprachliche Ebene mit der - auf die Wirklichkeit bezogenen - Ebene der Objektsprache vermischt, kann es zu grammatisch korrekten aber semantisch - also der Bedeutung nach - widersinnigen Fragen kommen wie: "Ist das Nichts da?" oder "Gibt es das Nichts?"

Solche Vermischungen der Sprachebenen nutzte schon Odysseus zur Verwirrung aus. Wenn ich mich recht erinnere, nannte er sich "Niemand", so dass er auf die Frage: "Wer ist da?" wahrheitsgemäß antworten konnte: "Niemand ist da."

Mit Fragen von der Art "Gibt es das Nichts?" und mit den noch unsinnigeren Antworten darauf haben sich Philosophen weithin lächerlich gemacht.

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Zur Frage: "Was ist das Gegenteil von Raum?"

Die Frage: "Was ist das Gegenteil von Raum?" setzt voraus, dass es so etwas wie das Gegenteil in Bezug auf den Begriff "Raum" überhaupt gibt. "Gegenteil" ist kein Begriff der Logik, sondern ein umgangssprachlicher Begriff. Man sagt z. B. "Das Gegenteil von 'laut' ist 'leise' ".

In der Logik spricht man nicht vom "Gegenteil" sondern von der "Verneinung" einer Aussage oder eines Prädikats. Die Verneinung des Satzes "Das Orchester spielt laut" ist nicht der Satz "Das Orchester spielt leise" sondern der Satz "Das Orchester spielt nicht laut".

Deutlich wird dies, wenn man den Satz "Das Orchester spielt zu laut" als Ausgangspunkt nimmt. Die Verneinung dieses Satzes lautet: "Das Orchester spielt nicht zu laut." Dieser Satz hat jedoch eine ganz andere Bedeutung als der Satz "Das Orchester spielt zu leise", der mit dem gegenteiligen Begriff "leise" gebildet wurde.

Dazu ein paar Beispiele: "Was ist das Gegenteil von 'heiß'?"  

Offenbar "kalt". Hier gibt es nur eine Dimension, die Temperatur, so dass keine Probleme auftauchen.

Schwieriger wird es schon bei der Frage: "Was ist das Gegenteil von 'Himmel'?"   

Hier kommen zwei Antworten in Betracht: "Hölle" und "Erde".

Deutlich wird das Problem bei der Frage: "Was ist das Gegenteil von einem 'Türschließer'?"  

Ist es der "Türöffner" oder der "Fensterschließer" ?

Nehmen wir als letztes die Frage: "Was ist das Gegenteil von einem 'Auto'?"  

Hier wird deutlich, dass man solche Fragen zwar grammatisch korrekt formulieren kann, dass sie jedoch trotzdem unsinnig sein können.

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Die Frage: "Kann die Zeit stillstehen?" ist sinnlos. Denn wenn die Zeit völlig still stehen würde, könnten wir das nicht bemerken. Um den Stillstand festzustellen, benötigen wir etwas, das nicht still steht sondern sich verändert. Diesen Maßstab kann es nicht geben. Wenn die Zeit stillsteht, ist eine Ewigkeit genauso lang wie eine Sekunde.


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Siehe auch die folgenden thematisch verwandten Texte in der Ethik-Werkstatt:
 

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Letzte Bearbeitung 31.05.2009 / Eberhard Wesche

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